
„Primärversorgung braucht mehr Verbindlichkeit“In zwei ausführlichen Interviews erläutert Prof. Jonas Schreyögg die Ergebnisse der Evaluation des Hausarztzentrierten Versorgungsmodells der TK und konstatiert, dass mangels Verbindlichkeit für die Versicherten kaum Steuerungseffekte erzielt wurden.
3. Juli 2026, von Hannes Rathjen

Foto: HCHE/Gregor Schläger
Ein verbindliches Primärarztsystem wäre nach Einschätzung von HCHE-Direktor Prof. Dr. Jonas Schreyögg wirksamer als die heutige hausarztzentrierte Versorgung (HZV). Im Interview mit der Ärzte Zeitung betont Schreyögg, dass die freiwillige Ausgestaltung der HZV ihre Steuerungswirkung erheblich einschränke. Zwar erhalten Hausärzt:innen zusätzliche Vergütung für die Koordination der Versorgung, viele Versicherte hielten sich jedoch nicht an die Vorgabe, zunächst ihre Hausarztpraxis aufzusuchen. Dadurch lasse sich das Ziel einer besseren Patientensteuerung nur begrenzt erreichen.
Eine großangelegte Auswertung von Routinedaten der Techniker Krankenkasse aus den Jahren 2015 bis 2024 zeigt, dass die HZV insgesamt mit höheren Ausgaben verbunden ist. Gleichzeitig sei ein Rückgang von Krankenhauseinweisungen in der Gesamtbetrachtung nicht nachweisbar. Positiv falle der Effekt lediglich bei älteren sowie besonders adhärenten Versicherten aus. Schreyögg betont, dass ein verbindliches Primärarztsystem mit klaren Zugangsregeln und Überweisungsprinzip die Versorgung effizienter steuern könnte als das heutige freiwillige Modell.
Die Veröffentlichung der Studie hatte für große Aufmerksamkeit gesorgt und wurde politisch sehr unterschiedlich gedeutet. In einem ausführlichen Interview im Fachmagazin Monitor Versorgungsforschung erläutert Jonas Schreyögg das Studiendesign genauer und erklärt die Unterschiede des HZV-Modell der Techniker Krankenkasse und der AOK Baden-Württemberg sowie Unterschiede der Evaluationen beider.
Für weiterführende Information finden Sie die vollständigen Interviews mit Jonas Schreyögg in der Ärzte Zeitung (Autor: Anno Fricke) und in Monitor Versorgungsforschung (Autor: Peter Stegmeier).
