Sinkende Einnahmen, zu hohe Ausgaben – Die finanzielle Lage wird immer prekärer. Wie lässt sich das beheben?
1. Wie ist dieses Ungleichgewicht entstanden?
2. Mit welchen Maßnahmen lässt sich das Ungleichgewicht beheben?
3. Welche Möglichkeiten haben die Versicherer angesichts der angespannten Finanzlage im Hinblick auf den Wettbewerb?
1. Für das Jahr 2027 wird ein Defizit von 15 Mrd. Euro erwartet. Wie ist es zu diesem Ungleichgewicht gekommen?
Während der Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) unverändert bei 14,6 % des Bruttoeinkommens bleibt, sind die durchschnittlichen Zusatzbeiträge in letzter Zeit deutlich gestiegen.

Foto: HCHE
Unzureichendes Wachstum der Anzahl gesetzlich Versicherter
- Die Arbeitsproduktivität stagniert und wächst nur um 0,6 % pro Jahr.
- Die jährliche Arbeitszeit ist seit 2015 um 5 % gesunken.
- Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ist mittlerweile rückläufig.
Grafik: Angaben Beitragszahler:innen in Millionen

Foto: HCHE
Ausgaben übersteigen Einnahmen zum Teil deutlich
- Übermäßige und unnötige Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen
- Stationäre Behandlung: höchste Anzahl an Krankenhausfällen in der OECD (mehr als 1 von 5 Einwohner:innen pro Jahr)
- Ambulante Behandlung: unter den OECD-Ländern höchste Anzahl an Arztbesuchen (14-18 Besuche pro Jahr)
- Arzneimittel: größtes Angebot bei höchsten Preisen
2. Was ist nötig, um das Einkommen zu steigern und die Ausgaben zu senken?

Foto: HCHE
Zusatzbeiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung
Im Jahr 2025 belief sich das Gesamtbudget der gesetzlichen Krankenversicherung, die 90 % der deutschen Bevölkerung versichert, auf 356 Milliarden Euro. Neben dem festen Beitragssatz von 14,6 % sind darin auch die zuletzt stetig ansteigenden Zusatzbeiträge enthalten.
Grafik: Angaben durchschn. Zusatzbeiträge in Prozent

Foto: HCHE
Maßnahmen zur Begrenzung der Zusatzbeiträge
Um einen weiteren Anstieg der Zusatzbeiträge zu begrenzen, wurden unter anderem eine Reihe von kurzfristigen Maßnahmen vorgeschlagen (mit möglichen Einsparbeträgen für das Jahr 2027).

Foto: HCHE
Bericht der FinanzKommission
Die FinanzKommission legte im März 2026 einen Bericht mit kurzfristigen Maßnahmen ab 2027 vor. Ein weiterer Bericht zu strukturellen Reformen ab 2028 folgt Ende 2026, etwa mit Vorschlägen zur Reorganisation der Notfallversorgung, der Einführung eines obligatorischen Gatekeeping-Systems zur Primärversorgung oder Arzneimittelpreisreformen.
3. Begrenzter Handlungsspielraum für gesetzliche Krankenversicherungen?
Da die gesetzlichen Krankenkassen an den festgelegten Beitragssatz und den Leistungskatalog gebunden sind, bestehen ihre einzigen Differenzierungsmöglichkeiten in der Höhe der zusätzlichen Beitragssätze und der angebotenen Zusatzleistungen. Der Beitragssatz ist der entscheidende Faktor für einen Wechsel der Krankenkasse.

Foto: HCHE
Wer ist eher bereit zu wechseln?
Gründe für einen Wechsel der Krankenkasse: Vollzeitbeschäftigte vergleichen aufgrund einkommensabhängiger Beiträge eher. Statusänderungen (z.B. Studium, Rente) stoßen Neuorientierungen an. Personen mit sehr guter Gesundheit und Familien sind deutlich preissensibler und wechselwilliger, um von günstigeren Konditionen zu profitieren.

Foto: HCHE
Zusatzleistungen können die Wechselbereitschaft beeinflussen
Die beliebtesten Zusatzleistungen sind alternative Medizin, Kinderwunschbehandlungen und Sportmedizin. Ebenso zählen Extra-Vorsorge in der Schwangerschaft, Zahnreinigungen, Osteopathie, Homöopathie und Reiseimpfungen dazu sowie das Angebot der Einholung von medizinischen Zweitmeinungen und Haut-Screenings zur Krebsvorsorge.

Foto: AdobeStock
Gut zu wissen
- Leistungskürzungen beim bisherigen Versicherer wirken als Push-Faktoren und erhöhen die Wechselbereitschaft.
- Große Anbieter haben hier einen Bonus: Kund:innen bleiben eher dort, weil sie ihnen mehr Stabilität, eine effizientere Verwaltung und eine vertrauenswürdigere Marke zuschreiben.

