Drei interessante Fakten
1. Sorgen und Ängste angesichts schwerer Krisen und Herausforderungen stehen in Zusammenhang mit einer schlechten psychischen Gesundheit
2. Psychische Erkrankungen stellen eine erhebliche Belastung für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft dar
3. Telemedizin könnte die Zukunft prägen
1. Korrelieren Krisen mit Ängsten und Depressionen?

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Angst vor Kriegen
Kriegsangst geht einher mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Depressionen und Angstzustände. Verbreitet sind Sorgen um Freund:innen und Familie, Ohnmachtsgefühle, konkrete Todesangst und eine pessimistische Zukunftsperspektive. Mitte März 2022 erlebte in Deutschland fast jeder Zweite (insbesondere Frauen) starke Angstzustände.

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Angst vor Künstlicher Intelligenz
In Deutschland besteht eine mittlere bis hohe Besorgnis im Zusammenhang mit KI. Am stärksten betroffen sind Frauen, junge (18-29 Jahre) und ältere Erwachsene (60+) sowie Personen mit geringer Bildung. Menschen mit KI-Angst (z.B. Angst vor Arbeitsplatzverlust) neigen eher zu Angstzuständen und depressiven Symptomen.

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Klima-Angst relativ betrachtet weniger verbreitet
Ein Vergleich verschiedener sozioökonomischer Faktoren zeigte ein höheres Maß an Angst vor dem Klimawandel bei jungen Erwachsenen (18-29 Jahre) im Vergleich zu älteren Erwachsenen (65-74 Jahre), bei Vollzeitbeschäftigten im Vergleich zu Rentnern sowie bei Personen ohne im Vergleich zu Personen mit chronischen Erkrankungen.

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Einsamkeit begünstigt Ängste und Depressionen
Was kann Einsamkeit und sozialer Isolation vorbeugen?
Partnerschaft, Haustiere (Hunde), körperliche Aktivität, ausreichendes Einkommen, kulturelle Aktivitäten, ehrenamtliches Engagement, nachbarschaftliche Kontakte, speziell bei Älteren (60+): Betreuung von Enkelkindern, soziale Medien, Hörgeräte etc.
2. Durch psychische Erkrankungen verursachte Kosten sind hoch

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Gesamtkosten in Deutschland
Laut einem OECD-Bericht werden die Gesundheitskosten für psychische Erkrankungen in Deutschland im Jahr 2015 auf über 100 Milliarden Euro geschätzt. Die Gesamtkosten setzen sich zusammen aus direkten Kosten (1,4% des Bruttoinlandsprodukts) und indirekten Kosten (2,0% BIP).
(Daten von 2015, OECD-Report 2018)

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Direkte und indirekte Kosten
In einer aktuellen Studie lagen die Mehrkosten für Patient:innen mit gegenüber Menschen ohne psychischen Erkrankungen summiert auf sechs Monate bei 19.075 Euro. Sie variierten je nach Schweregrad zwischen 6.123 und 31.883 Euro und entstanden durch Therapien und Produktivitätseinbußen aufgrund von Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit.

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Wie können Behandlungen kostengünstiger gestaltet werden?
Ein gestuftes, evidenzbasiertes, integriertes Versorgungsmodell könnte die Gesamtkosten um 22% senken (direkte Kosten: -25%; indirekte Kosten: -17%). In dem Modell werden Patient:innen aller Schweregrade in einem sektorübergreifenden, multiprofessionellen und interdisziplinären Managed-Care-Netzwerk behandelt.
SMI = severe mental illness
3. Ist die Zukunft der psychischen Gesundheitsversorgung digital?

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Stärken der Telemedizin
Obwohl Präsenzbehandlungen weiterhin bevorzugt werden, nehmen digitale Angebote wie Telemedizin in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung zu. Diese können nicht nur Kosten einsparen, sondern Zugang zur Versorgung fördern, indem sie strukturelle und stigmatisierungsbedingte Barrieren abbauen und so Versorgungslücken schließen.

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Wer nutzt Telemedizin?
Patient:innen, die Telemedizin nutzen, sind eher jünger (geringste Nutzung bei Personen ab 60 Jahren), haben positivere Einstellungen zu Telemedizin und sind eher in Behandlung bei Therapeut:innen, die ebenfalls positivere Einstellungen gegenüber diesen Angeboten sowie höhere Kompetenzen in der praktischen Anwendung der Telemedizin haben.

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Inanspruchnahme steigern
Die Nicht-Nutzung von Telemedizin ist weniger auf mangelnde Fähigkeiten der Patient:innen zurückzuführen, sondern vielmehr auf einen Mangel an Informationen und Vertrauen sowie negative Einstellungen. Daher wird ein gezielter Abbau von Vorurteilen und eine bessere Aufklärung empfohlen.

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Großes Potenzial
Um das Potenzial der Telemedizin in der psychischen Gesundheitsversorgung voll auszuschöpfen, sollten Angebote beworben und Stärken vermehrt kommuniziert werden. Individuelle Patient:innenmerkmale und -präferenzen sollten berücksichtigt und Therapeut:innen intensiver in der Nutzung geschult und unterstützt werden (Gatekeeper-Funktion).
Was können wir gegen Einsamkeit tun?

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Lachen verbindet
Gemeinsames Lachen verbindet uns Menschen. Aber: Lachen in einem virtuellen Kontext (z.B. online) kann das verbindende Gefühl nicht ersetzen.

