
Sinnstiftend, aber wenig familienkompatibel?Aktuelle Studie zum Thema Flexibilität und Berufen im Gesundheitssektor von Prof. Dr. Iris Kesternich
20. Januar 2026, von Hannes Rathjen

Foto: UHH/Esfandiari
Berufe im Gesundheitswesen gelten als besonders sinnstiftend – und sind zugleich ein zentraler Pfeiler unserer Gesellschaft. Doch genau hier zeigt sich eine problematische Diskrepanz, die vor allem Frauen betrifft. Eine aktuelle Studie von Prof. Dr. Iris Kesternich (HCHE/Universität Hamburg) und Thimo de Schouwer (KU Leuven, Belgien) hat den niederländischen Arbeitsmarkt untersucht. Die Ergebnisse sind eindeutig: Sinnhaftigkeit und berufliche Flexibilität zählen für Beschäftigte zu den wichtigsten Kriterien bei der Berufswahl. Frauen bewerten beide Aspekte sogar deutlich höher als Männer.
Warum der Gesundheitssektor vor allem Frauen vor ein Dilemma stellt
Trotz dieser Präferenzen spiegelt sich der Wunsch nach Flexibilität kaum in den tatsächlich gewählten Berufen wider. Besonders auffällig ist dies im Gesundheitssektor: Er gehört mit großem Abstand zu den am häufigsten gewählten Tätigkeitsfeldern von Frauen – bietet jedoch vergleichsweise wenig zeitliche und organisatorische Flexibilität. Gleichzeitig identifizieren sich viele Beschäftigte stark mit der gesellschaftlichen Bedeutung ihrer Arbeit. Diese Kombination kann langfristig problematisch sein. Denn wenn hohe Erwartungen an Sinn und Vereinbarkeit dauerhaft nicht erfüllt werden, steigt das Risiko von Unzufriedenheit, Überlastung und letztlich dem Abwandern in andere Berufe.
Ein strukturelles Problem mit weitreichenden Folgen
Gerade vor dem Hintergrund des wachsenden Fachkräftemangels im Gesundheitswesen ist diese Entwicklung alarmierend. Die Studienergebnisse aus den Niederlanden lassen sich zudem weitgehend auf den deutschen Arbeitsmarkt übertragen. Ohne strukturelle Verbesserungen bei Arbeitszeiten, Flexibilitätsmodellen und Vereinbarkeit von Beruf und Familie droht eine fatale Fehlentwicklung – für Beschäftigte ebenso wie für das gesamte System.
Lesen Sie hier die vollständige Pressemeldung zur Studie. Das Paper "Work Meaning and the Flexibility Puzzle" von Prof. Dr. Iris Kesternich und Thimo de Schouwer finden Sie hier.
